Ravel Trio
Disponibilité en magasin
Contenu
II Pantoum. Assez vif
III Passacaille. Très large
IV Final. Animé
Description
Ravels Klaviertrio – ein glühender Sommer im Baskenland
Maurice Ravels Klaviertrio a-Moll entstand während des aussergewöhnlich heissen Sommers 1914 in Saint-Jean-de-Luz an der französischen Baskenküste. Nahe seinem Geburtsort Ciboure und inmitten der Landschaft seiner baskischen Herkunft arbeitete Ravel an seinem einzigen Werk für Violine, Violoncello und Klavier – umgeben von Meer, sommerlichen Festen, Pelota-Spielen und nächtlichen Feuerwerken.
In einem Brief vom Juni 1914 berichtete Ravel von Temperaturen um 35 Grad und bemerkte mit seinem charakteristisch trockenen Humor, dass er zur Erholung am Trio arbeite. Die südliche Atmosphäre ist dabei mehr als nur eine reizvolle Episode der Entstehungsgeschichte: Besonders im ersten Satz prägen Rhythmen aus der baskischen Musik das Werk. Ravel griff auf den Zortziko zurück, einen traditionellen Tanz mit unregelmässiger metrischer Gliederung, und entwickelte daraus eine Musik von schwebender Eleganz und subtiler rhythmischer Spannung.
Doch der Sommer 1914 wurde zur Zeitenwende. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs Anfang August veränderte sich auch Ravels Arbeitssituation grundlegend. Der Komponist wollte sich zum Militärdienst melden und trieb die Vollendung des Trios mit ausserordentlicher Konzentration voran. Die Musik selbst wirkt dennoch nicht wie eine unmittelbare Darstellung des Krieges. Sie bewahrt ihre Klarheit, ihren Farbenreichtum und ihre kunstvolle Distanz – verbindet jedoch sommerliches Leuchten mit Momenten von Melancholie, Dunkelheit und überwältigender Intensität.
Das viersätzige Werk eröffnet mit einem weit ausschwingenden „Modéré“, dessen unregelmässige Rhythmen und geschmeidige Melodien Ravels baskische Wurzeln erkennen lassen. Der zweite Satz trägt den ungewöhnlichen Titel „Pantoum“. Er bezieht sich auf eine aus Malaysia stammende Gedichtform, in der verschiedene Gedanken und Zeilen kunstvoll ineinandergreifen. Entsprechend überlagert Ravel im Trio unterschiedliche musikalische Ideen und Rhythmen zu einem virtuosen, mitunter beinahe schwindelerregenden Geflecht.
Im Zentrum steht die monumentale „Passacaille“. Aus einem dunklen, zunächst im Klavier vorgestellten Thema entwickelt sich ein gewaltiger musikalischer Bogen, der sich immer weiter verdichtet und anschliessend wieder in die Stille zurückzieht. Das brillante Finale löst diese Spannung mit flirrenden Streicherfiguren, mächtigen Klavierklängen und geradezu orchestraler Kraft. Ob darin auch die Feuerwerke und sommerlichen Festlichkeiten von Saint-Jean-de-Luz nachklingen, lässt sich nicht eindeutig belegen – die leuchtende, explosive Klangsprache legt diese Assoziation jedoch nahe.
Ravel stellt die drei Instrumente vor enorme Herausforderungen. Durch Flageoletts, Tremoli, Glissandi, weit gespannte Klavierakkorde und raffinierte Registerwechsel erweitert er den Klang eines Klaviertrios beinahe zu dem eines ganzen Orchesters. Gleichzeitig bleibt jede Stimme selbstständig und transparent hörbar. Das Ergebnis ist ein Schlüsselwerk der Kammermusik des frühen 20. Jahrhunderts: rhythmisch kühn, klanglich überwältigend und bei aller konstruktiven Raffinesse von grosser emotionaler Wirkung.
Die wissenschaftlich-kritische Bärenreiter-Ausgabe berücksichtigt den neuesten Forschungsstand. Als Hauptquelle dient die zu Ravels Lebzeiten erschienene Durand-Ausgabe. Zusätzlich wurden Exemplare der Erstausgabe aus Ravels persönlichem und musikalischem Umfeld ausgewertet, in denen Korrekturen und Änderungen eingetragen sind. Dadurch konnten Quellen einbezogen werden, die in früheren Editionen noch nicht vollständig berücksichtigt worden waren.
Eine ausführliche Einführung von Gudula Schütz beleuchtet Entstehung und Rezeption des Werkes. Der Kritische Bericht dokumentiert die Quellenlage und die editorischen Entscheidungen im Detail. Damit bietet die Ausgabe eine fundierte Grundlage für das Studium und die Aufführung eines der bedeutendsten und anspruchsvollsten Werke der gesamten Klaviertrioliteratur.
- Wissenschaftlich-kritische Bärenreiter-Urtextausgabe
- Herausgegeben von Douglas Woodfull-Harris
- Für Violine, Violoncello und Klavier
- Auf Grundlage der zu Ravels Lebzeiten erschienenen Durand-Ausgabe
- Unter Einbeziehung korrigierter Exemplare aus Ravels Umfeld
- Mit ausführlicher Einführung zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte (dt./engl./franz.)
- Mit Kritischem Bericht (engl.)
- Partitur und vollständiger Stimmensatz
Spécifications
-
- Maurice Ravel
- Trio
- trios piano et cordes
- Douglas Woodfull-Harris
- Bärenreiter
-
- violon
- 1
- violoncelle
- 1
- piano
- 1
-
- partition et parties
- P+St
- 2024
-